FINAL DA LINHA
Endstation

Final da Linha - Dokumentarfilm von Ricardo Salva
FINAL DA LINHA DOSSIER
FINAL DA LINHA | SONDERSEITE
Das Sterben eines Lebenskünstlers
Der dokumentarische Spielfilm Final da Lin­ha handelt vom täglichen Überlebenskampf des Le­benskünstlers Jean Michel in der Sub­kul­tur der brasilianischen Metropole Sal­vador. Der Maler, Schriftsteller, Rock­sänger und Alkoho­liker hat sein Leben in vollen Zügen genossen und sich buch­stäblich ausgelebt. Noch keine sechzig Jahre alt, ist er nurmehr ein Schatten sei­ner selbst. Die Spuren des Lebens zeich­nen sein Gesicht. Die sonnen­gegerbete Haut ver­rät, wie sehr er, der vie­le Jahre seines Lebens in fensterlosen Ge­fängniszellen saß, Freiheit und Abenteuer liebte. Zer­furchte Wan­gen und Narben zeugen von durch­littenen Qualen; doch um die Augen tummeln sich Fältchen erlebten Glücks. Jean hat sich im Spannungs­feld der Gegensätze verschlis­sen. Nun, da er sich auf die Zielgerade schleppt, ist der Le­bens­künstler zum Über­lebenskünstler gewor­den. Seiner Kräfte be­raubt, ergibt sich den Um­ständen und siecht in seiner Bude dahin. Sein müder Blick ist von Alkohol und Illusio­nen getrübt. Doch in wa­chen Momenten gewahrt er die Realität und ist sich bewußt, daß seine Zeit vorüber ist.
Letzte Nacht ist mit seiner Geliebten Neia auch das Glück in Jeans Leben zurück­ge­kehrt. Und so beginnt der erste seiner letz­ten Tage ausgesprochen heiter. Nach der unverzicht­ba­ren Dosis Cachaça am frühen Mor­gen blitzt die Schläue des begnadeten Erzählers auf. Wenn­gleich je­der seine Ge­schichten aus bes­seren Tagen schon in al­len Varianten kennt, ziehen sie unwillkürlich in den Bann. Doch am Ende dieses glück­lichen Tages verliert Jean durch ein unheil­vol­les Mißverständnis seine Bleibe. Unver­mit­telt zum Handeln gezwun­gen, nimmt er sein Schicksal noch einmal in die Hand und macht sich auf die Suche nach seinem Freund Gini, dem Gitarristen und Manager seiner Band. Noch immer glaubt Jean an eine Rückkehr auf die Bühne, sehnt sich nach dem Applaus, und nach dem Geld, das seine Pro­bleme mil­dern würde. Doch der erhoffte Auf­tritt ist nur eine Illusion, weil sei­ne Band längst zerschlagen ist. So gerät die Suche nach Gini zu einer Odyssee durch Salvador, die Jean letztlich aus seiner Traum­welt führt. Als er spätnachts in den falschen Bus einsteigt, endet sein Weg in einem Stadt­teil, das bezeich­nenderweise Boca do Rio heißt.